Zukunft für Menschen und Meeresschildkröten gestalten

Seit längerer Zeit bestehen Hinweise, dass an der Meeresküste im Südwesten der Côte d´Ivoire Meeresschildkröten ihre Eier ablegen (z.B. Nicole et al. 1994, A Priliminary Inventory of Coastal Wetlands of Côte d´Ivoire, IUCN Wetland Programme). Noch besteht kein einziges Schutzgebiet für einen Küstenabschnitt (Lauginie 2002, Conservation de la nature et aires protégées en Côte d´Ivoire). Der Fang und der Handel mit Meeresschildkröten und deren Eier ist in Côte d´Ivoire zwar per Gesetz verboten, in der Praxis jedoch verbreitet (2012-2015 durch Zeugen und Fotos belegt). Es ist zu erwarten, dass v.a. der Verzehr der Eier von Meeresschildkröten kurz- bis mittelfristig zum Erlöschen der lokalen Populationen führt. Zum Erhalt der Meeresschildkröten in Côte d´Ivoire ist ein aktiver Schutz gegenwärtig dringend notwendig, da noch Restpopulationen mit entsprechender genetischer Ausstattung bestehen (die Meeresschildkröten kehren an die Strände ihrer „Geburt“ zurück).

Die allgemeinnützige und nicht kommerzielle Vereinigung (NGO) „Schutz der Meeresarten“ (französisch: Conservation des Especes Marines = CEM) arbeitet kontinuierlich seit 2010 im Raum Grand Béréby, insbesondere zwischen Roc und Kablaké zum Schutz der Meeresschildkröten. Dieses geschieht in Zusammenarbeit mit der Lokalbevölkerung und der Küstenschutzpolizei von Grand Béréby. Dank dieser Arbeit werden mehr als 600 Meeresschildkröten und ihre Nester pro Jahr geschützt und mehr als 50.000 Jungtiere schlüpfen pro Jahr und gelangen ins Meer. Ehemals bestand eine intensive Verfolgung, etwa 50 % der weiblichen Schildkröten wurden getötet und praktisch keine Jungtiere gelangten ins Meer zurück.

Seit 2016 hat CEM mit der Unterstützung von Critical Ecosystem Partnership Fund und Rainforest Trust um den Küstenabschnitt der Haupt-Laichplätze eine Schutzzone von 5.000 ha in Form eines „Freiwilligen Naturschutzgebietes“ eingerichtet. Diese Zone enthält trotz eines hohen Drucks menschlicher Aktivitäten eine außergewöhnlich reiche Fauna. Bereits drei lokal vom Aussterben bedrohte Tierarten wurden in dieser Zone nachgewiesen: der Westafrikanische Chimpanse, das Panzerkrokodil, die Echte Karettschildkröte. Zwei überregional vom Aussterben bedrohte Tierarten wurden gefunden (Zwergflusspferd und Grüne Meeresschildkröte) und 7 stark bedrohte Tierarten: zwei Arten Schuppentiere, Zwergkrokodil, eine Primatenart (Weißbart Stummelaffe), eine Landschildröte und zwei weitere Meeresschildkröten (Lederschildkröte, Oliven-Schildkröte). Weiterhin wurden gefunden: Büffel, Flussschwein, Ducker.